Das Kunstareal mit Kindern

Ich bin ja zugegebener Maßen eine grosse Verfechterin des Landlebens und würde jederzeit ein Plädoyer darüber halten, wie sehr sich der Mensch tief in seinem Herzen nach Natur sehnt und dort sein Glück findet. Nachdem ich selbst als Landkind gross geworden bin, ist meine Einstellung wenig verwunderlich und fast schon angeboren.

Natürlich zählen „Ronja Räubertochter“ und „Die Kinder aus Bullerbü“ zu meinem Lieblingsbüchern. Bücher, in denen sich Kinder in der Natur frei entfalten und Eltern, die diesen Freiraum zulassen. Die meisten Eltern wünschen sich für ihre Kinder dieses unbefangene Aufwachsen in Freiheit, doch meist ist die Umsetzung schwierig.

Dennoch ist es kein logischer Rückschluss von glücklichen Landkindern und weniger glücklichen Stadtkindern zu sprechen. Denn auf dem Land kann man die Kinder genauso gut vor dem Fernseher oder der Playstation „Dauerparken“ wie in der Stadt. Es kommt lediglich auf die Einstellung der Eltern an und was sie daraus machen. Auch in Städten kann man Regenwürmer suchen, durch Pfützen springen und grüne Rückzugsorte finden.

Doch wie sehr mir die urbane Kunst als Denkanstoß gefehlt hat wurde mir klar, als wir am Wochenende mit der Familie das Kunstareal besuchten. Dort fand zum dritten Mal das Kunstareal Fest mit einem vielseitigen und abwechslungsreichen Programm statt. Zwischen Antike und zeitgenössischem Experiment wurde ein Wochenende lang für alle Besucher freier Eintritt geboten und Zugang zu 130 kostenfreien Veranstaltungen an 32 Orten.

Zeitgleich fand zum 14. Mal das RischArt Projekt statt. Mit diesem Förderpreis werden in regelmäßigen Abständen Kunstprojekte gesponsert, die die Kunst in den öffentlichen Raum bringt und für jedermann zugänglich macht. Ein grosses Hurra! für Kinder, denn hier gibt es Kunst nicht nur zum Bestaunen, sondern in erster Linie zum Anfassen und Erleben.

Unsere Kinder saßen auf Stühlen, die von Schülern der „Schule der Phantasie“ frei gestaltet wurden. Die Aufgabe bestand darin einen einfachen Stuhl in einen Platz für Phantasie zu verwandeln. In einer blauen Pagode blieb Zeit dem „Gras beim Wachsen zuzusehen“ und in der Garteninstallation OFFEN LASSEN konnte man seine Hände im Wasser baden und die Kinder nahmen auf den Gartenmöbeln Platz.

Das diesjährige Motto vom RischArt Projekt lautet PARASYMPATHIKUS und beschäftigt sich genau mit meinem anfänglichen Stadt-Land Thema. Der Parasympathikus der auch „Herr des Schlafes“ genannt wird ist für die Erholung unserer eigenen Reserven notwendig. Der Sympathikus als Gegenspieler bewirkt bei Belastung oder Stress eine Leistungssteigerung. Sozusagen ein Bildnis für Natur und urbanes Leben.

Das Großstadtleben hat einige Vorteile. Nirgendwo sonst bieten sich so viele Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung. Gleichzeitig ist der Stadtmensch mit einer Vielzahl von Reizen konfrontiert. Vielen fällt es schwer kurz innezuhalten, sich abzugrenzen oder sich selbst wahrzunehmen.

Ruhe mitten in der Stadt, ist das überhaupt möglich? Diese Fragestellung wurde im Rahmen des 14. RischArt Projekts an sechs Künstler weitergegeben. Eingebettet in die besondere Atmosphäre des Kunstareals wird das Projekt für drei Wochen zum Ruhepol, ein temporärer Kunstort noch bis zum Sonntag, den 16. Juli 2017.

Absolut sehenswert!

 

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