Die Freiheit nehm` ich mir!

IMG_5338Manchmal möchte man selber wieder Kind sein und laut rufen „die Freiheit nehm´ ich mir!“. Frei von allen Konventionen und ohne Rücksicht auf schiefe Blicke. Einfach nur seinem Herz zu folgen muss ein unglaublich befreiendes Gefühl sein.

Erinnert Ihr Euch noch an die VISA Werbung aus den 90er Jahren? Eine sehr attraktive Blondine springt vom Segelboot in das glitzernde Wasser. Wenig später entsteigt sie venusgleich dem Meer und kauft sich am Strandkiosk eine stylische Sonnenbrille. Nachdem sie nur mit einem Badeanzug bekleidet ist, fragt sie der Kiosverkäufer wie sie gerne bezahlen möchte. Daraufhin zieht sie lässig lächelnd ihre VISA Karte aus dem schicken Teil. Danach der Slogan „Die Freiheit nehm´ich mir!“.

Das ist natürlich auch eine schöne Art der Freiheit, doch das ist nicht das Gefühl von dem ich spreche. Die Freiheit, die ich meine ist eine viel tiefsinnigere. Als Mia sich heute morgen anzog, stand sie strahlend im Dirndl vor mir. Unter dem Dirndl trug sie ein pinkes Langarm T-Shirt, eine rosa Strumpfhose und ihre Tiger Lilli Leggins. Ach ja, ich hatte vergessen zu erwähnen: das Dirndl ist grün und rot. Als erwachsene Frau würde man sich nie im Leben in dieser Kombi auf die Strasse trauen. Es sei denn man heisst Sissi Perlinger und es ist Wiesnzeit. Doch Mia kann das und ist überzeugt von ihrem Look.

Nachdem klein Paulchen und ich Mia vom Kindergarten abholten, mussten wir noch schnell einkaufen fahren. Jedes meiner Kinder hatte sich einen kleinen REWE Einkaufsflitzer zu eigen gemacht und war kurz davor einem Kunden in die Hacken zu fahren. Das Rennen durch den Markt schien grösste Freude zu bereiten. Wenig später hatte Mia einen erneuten „Freiheitsmoment“. Sie kniete sich vor einem riesigen, pinken Karton nieder und flehte mich dringlichst an, dass sie diesen auf der Stelle erwerben möchte. Etwas nervös, wie die Sache wohl enden würde, stellte ich mir eine Frau vor, die bei Tiffany vor der edlen Schmuckvitrine kniete und ihren Liebsten unter Tränen anflehte. Er möge ihr sofort dieses überlebenswichtige Juwel kaufen, sonst falle sie auf der Stelle tot um. Dieser Gedanke brachte mich zum Schmunzeln, doch nun galt es eine Lösung zu finden.

Ich erinnerte Mia an die schönen Disney Figuren, die man zur Zeit nach jedem Einkauf bekam und Gott sei Dank hatte sie nun ein neues Ziel: die Kasse. Als ich gezahlt hatte, ließen beide Kinder sang- und klanglos ihren Einkaufswagen mit ihren zu warmen Winterjacken an der Kasse stehen und gingen mit ihren Plastikfiguren Richtung Ausgang. Jetzt hätte nur noch gefehlt, dass sie sich umdrehen und mir lachend ins Gesicht rufen: „die Freiheit nehm´ich mir!“.

Ab morgen will ich auch wieder Kind sein! Frei von dem Gefühl was andere von mir denken, impulsiv meinem Tatendrang folgen und immer ehrlich sagen zu dürfen, was man denkt. Einen Selbstversuch wäre das ganze wert…

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